Bericht über das Tagesseminar mit dem Abt des buddhistischen Waldklosters in Kempten Bhante Nyanabodhi am 20.August 2016


„Verstehen und Annehmen des Lebens, wie es ist.“ – Mit diesem anfordernden Impuls, sich der eigenen Wirklichkeit zu stellen, steckte der Mönch ein hohes Ziel. Dabei vermied er wohltuend jede Attitüde von moralisierender Selbstbezichtigung oder Fremdzuweisung. Sich selbst in seiner Sehnsucht nach Heilwerden verstehen und dabei sich selbst annehmen in der Wertschätzung sowohl des eigenen Reichtums als auch der eigenen Grenzen und Verwerfungen, – dies gebe dem Ringenden eine eigene Würde.

Die „Annahme Seiner Selbst“ verleihe einen wirksamen Schutz gegen die Verlockung, sich aus der eigenen Verantwortung heraus zu stehlen und selbstquälerisch und nicht selten auch genießerisch sich in der Opferrolle fest zu klammern. Geradezu befreiend könne es für denjenigen sein, – so der Mönch in seiner Botschaft – der erkannt habe, dass die vermeintlich Feindsinnigen mit dem Splitter in ihren Augen in Wirklichkeit hilfreich-heilende Komplizen sein können beim Aufspüren und Entfernen des Balkens im eigenen Auge. Fragt sich also: Wer drückt oder löst da eigentlich bei wem den Knopf der Entschleierung? – Beim Blick auf die eigenen Schatten werden diese zu Lichtsträhnen, wenn mit Wohlwollen und Wertschätzung die eigenen dunklen Anteile liebgewonnen und geradezu gesegnet werden. „WAS“ kann ich tun? Dies Wörtchen könne dabei ein Impuls zur Verwandlung sein: W für Wahrnehmen, A für Annehmen und S für Segnen. Die Antenne zu schärfen, auszurichten auf die oft versteckte, verleugnete Kausalität der Ereignisse, unter denen wir leiden, oder durch die wir Leiden schaffen, könne ein lohnendes Trainingsziel sein bei der Entdeckung des Lebens, „wie es ist“. Die tiefe Weisheit des Buddha, wie die Ursache von menschlichem Leid entstanden und zu erkennen sei und nur durch befreiendes und endgültiges Loslassen vom Anhaften erlöst werden könne, war in allen Empfehlungen, die der Mönch gab, zu spüren. So zeigte Banthe Nyanabodhi auch tiefe Dankbarkeit für die Lehrjahre bei seiner Meisterin Ayya Khema. Mit seiner humorvollen Art und Weise und dem ständigen Bezug zu konkrete Lebenssituationen gelang es dem Vortragenden die Herzen der Zuhörenden zu gewinnen ohne Verdruss aufkommen zu lassen, dass spirituelle Praxis nur mühsames Geschäft sei. Authentisch wirkte seine Ermutigung, weil in allen Impulsen zu spüren war: Du hast den Schatz, den göttlichen Kern Deines Wesens, den Du suchst und findest, schon immer in Dir. Vertraue Deinem eigenen kostbaren Schatz. – Der Mönch ließ etwas Persönliches von sich spüren, nämlich dass er ein wohltuendes Zutrauen zu sich selbst habe. Dieses sein eigenes Vertrauen zu sich selbst erlebten wohl viele der Zuhörenden auch als Mut machende Wertschätzung für ihr eigenes inneres Selbst.

Bericht von Sibilla Brombach

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